Medien-GAV Jetzt!


Mit der Website www.mediengav.ch starten der Journalistenverband impressum und die Mediengewerkschaft syndicom die Kampagne «Medien-GAV jetzt!» Sie ist eine erste Antwort auf die Verankerung von GAV-Gesprächen in den Jahreszielen 2016 des Verlegerverbandes «Schweizer Medien». Die Website bündelt die Informationen zur Kampagne, zu Aktionen und Veranstaltungen sowie zu gegebener Zeit zum Fortschritt der Verhandlungen. Alle Medienschaffenden sind eingeladen, ihre Anforderungen an den GAV in einer grossen Online-Umfrage zu äussern, damit syndicom und impressum in den Verhandlungen mit den Arbeitgebern die Forderungen der Medienschaffenden vertreten können. Zahlreiche PolitikerInnen, Verleger und JournalistInnen geben auf der Website GAV-Testimonials ab und erklären, warum die Medienbranche endlich wieder einen Gesamtarbeitsvertrag braucht

Das Schweizer Arbeitsrecht ist liberal gestaltet und der Kündigungsschutz der Arbeitnehmenden im Vergleich zu anderen Ländern schwach. Es ist einfach, Mitarbeitende auf die Strasse zu stellen oder ihnen Änderungskündigungen zu unterbreiten, die ihre Arbeitsbedingungen verschlechtern. Sparmassnahmen, Umstrukturierungen und strategische Neuausrichtungen sind in der Medienwelt an der Tagesordnung – Verleger nutzen die Gelegenheiten, beim Personal zu sparen, um auf die sinkenden Auflagezahlen und den finanziellen Einbruch im Inseratemarkt zu reagieren. Gleichzeitig belegen die Zahlen regelmässig, dass die Verleger nach wie vor hohe Gewinne erwirtschaften. Die Ansichten, wie mit den veränderten Bedürfnissen der Leserschaft umgegangen werden muss, divergieren zwischen Verlegern und JournalistInnen oft.

Solidarität unter Medienschaffenden ist wichtig

In einem Arbeitsumfeld, in dem immer mehr Hindernisse im Weg liegen, müssen sich alle behaupten. JedeR ist mit den eigenen Problemen beschäftigt, der Solidaritätsgedanke verschwindet. Jedoch ist gerade die Solidarität unter Medienschaffenden wichtig, um gegen die Schwierigkeiten in der sich verändernden Medienwelt anzukämpfen.

Bis Sommer 2004 arbeiteten die Medienschaffenden der Printmedien und ihrer Onlineredaktionen in der Deutschschweiz und im Tessin unter einem Gesamtarbeitsvertrag, der ihre Arbeitsbedingungen sicherte. Seit der Kündigung des Presse-GAV durch den Verlegerverband haben sich die Arbeitsbedingungen der JournalistInnen kontinuierlich verschlechtert und die Löhne der festangestellten JournalistInnen sowie die Honorare der Freischaffenden sind vielerorts stark gesunken. Dies hat zur Folge, dass vor allem freischaffende JournalistInnen mit ausschliesslich journalistischer Arbeit finanziell kaum mehr überleben können.

Seit 12 Jahren kein GAV mehr für Medienschaffende in der Deutschschweiz und im Tessin

In den letzten Jahren fanden zwischen den Journalistenorganisationen und dem Verlegerverband immer wieder Gespräche statt. Dennoch haben sich die Verleger während zehn Jahren geweigert, an den Verhandlungstisch zu kommen. Im Jahr 2014 – dem traurigen Jubiläum 10 Jahre GAV-losen Zustands in den deutsch- und italienischsprachigen Medien – starteten impressum und syndicom die Kampagne «Jetzt schlägt’s 13!». 13-mal, jeweils am 13. des Monats, lenkten syndicom und impressum damit die Aufmerksamkeit auf die Missstände bei den Arbeitsbedingungen in der Medienbranche. Die Kampagne sollte den Verlegern zeigen, dass ein Miteinander sinnvoller wäre als das aktuelle Gegeneinander. Denn ein GAV für Medienschaffende würde die Branche in der aktuellen Transformationsphase zusammenbringen und in vielerlei Hinsicht stärken.

Kommt dieses Jahr die Wende?

Nach einigem Hin und Her konnte am 10. September 2015 an der Mitgliederversammlung des Verbands Schweizer Medien dank der Hartnäckigkeit von Unterstützern endlich erreicht werden, dass die «Ausarbeitung eines Vertragsentwurfes für einen GAV» hinsichtlich der Vertragsgespräche mit den Sozialpartnern in die Jahresziele 2016 aufgenommen wurde. Das Präsidium des VSM kündete an, dass ein neu gegründeter Ausschuss den Entwurf ausarbeiten und mit den Sozialpartnern Verhandlungen aufnehmen werde. Von einem GAV sind wir aber nach wie vor noch ein Stück entfernt und von einem guten GAV noch ein Stück weiter. Bis der Vorschlag des VSM vorliegt, müssen so viele JournalistInnen wie möglich mobilisiert werden und sich für einen GAV und konkrete GAV-Bestandteile aussprechen. Vito Robbiani, Vize-Präsident von impressum, appelliert an die JournalistInnen: „Für das Zustandekommen eines GAVs ist es wichtig, dass ihr JournalistInnen euch dafür einsetzt.“ Sina Bühler, Präsidentin der JournalistInnen bei syndicom, ergänzt: „Nur gemeinsam haben wir gegenüber dem Verband Schweizer Medien eine starke Verhandlungsposition.“

Kampagnenstart „Medien-GAV jetzt!“

Um sich auf die Verhandlungen mit dem Verband Schweizer Medien vorzubereiten, starten der Journalistenverband impressum und die Mediengewerkschaft syndicom die Kampagne «Medien-GAV jetzt!». Die Website www.mediengav.ch bündelt die Informationen zur Kampagne, zu Aktionen und Veranstaltungen sowie zu gegebener Zeit zum Fortschritt der Verhandlungen. Zudem gibt es eine grosse Online-Umfrage, bei der die Medienschaffenden mitteilen können, was im GAV wie geregelt werden soll. Einige Journalistnnen, Verleger und Politikernnen geben auf der Website persönliche Testimonials ab und erklären, warum die Medienbranche einen Gesamtarbeitsvertrag braucht. Die Statements werden laufend ergänzt – weitere Testimonials sind jederzeit willkommen!

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